Oldtimer im Test: Audi Coupé GT 5E - Auf die Fünf!

18 Mär - Audi
Mit einem Coupé startete Audi vor 35 Jahren in die Sportlichkeit. Foto: Audi

Das bodenständige Audi Coupé der Serie B2 gehört inzwischen zu den raren Erscheinungen. Das Angebot am Markt ist entsprechend klein. Wer jedoch etwas Zeit mitbringt, kann für einen bezahlbaren Kurs um 6.000 Euro ein feines Exemplar ergattern.

Audi steht 1980 - elf Jahre nach der Neugründung -zwar mit einem umfangreichen und soliden Modellprogramm dar, doch das Oberlehrer-Image haftet der Marke an wie dem Bauer der Stallgeruch. Kein Wunder, Modelle wie 80 oder 100 sind eher langweilig - ohne optischen Pfiff und weitgehend ohne technische Schmankerl. Auch der 200, ein besser ausstaffierter 100 mit stärkeren Motoren, wird im automobilen Oberhaus wenig ernstgenommen. Zwar etablieren die Verantwortlichen just in diesem Jahr den Allradantrieb, doch die Früchte sollten erst viel später geerntet werden. Sechszylinder waren nicht im Programm, geschweige denn V8-Triebwerke.

Wer dem profanen Vierzylinder-Gedanken entfliehen wollte, musste im neuen Audi-Coupé zu einem Fünfender greifen. Die Topvariante, schlicht "Quattro" genannt, 147 kW/200 PS stark, wird von einem Turbo zwangsbeatmet und kostet für die Marke fast absurde 64.000 Mark. Das hier besprochene Modell, quasi die zivile Spitzenversion, muss mit 96 kW/130 PS sowie ohne Turbine auskommen. Der Wert an sich mag heute mager klingen, aber der alte Ingolstädter bringt nur wenig mehr als eine Tonne auf die Waage. Entsprechend giftig fühlt sich das simpel gezeichnete Coupé an.

Und es klingt auch satt. Um ehrlich zu sein: Wer nicht den spezifischen Sound des 2,1-Liters kennt, könnte ihn glatt für einen Sechszylinder halten. Er dreht mit leichtem Bass in der Stimme hoch, ist dabei maschinenarttypisch-grummelig, nicht aber über Gebühr vibrationsträchtig - das gilt für den gesamten Drehzahlbereich. Und auch wenn die Manschette um den Schalthebel unseres Probeexemplares etwas mitgenommen aussieht, so lassen sich die Gänge doch ohne Schwierigkeiten und halbwegs exakt einlegen. Nicht ganz so exakt muten Fahrwerk und Lenkung des oberbayerischen Oldies an. Immerhin gibt es Servounterstützung bei dieser Ausführung serienmäßig - ganz schöner Luxus für einen 84er.

Bei hohen Tempi wird das leichte, frontgetriebene Coupé ein wenig flatterig, Bodenwellen dringen merklich in die Fahrgastzelle - perfektes Fahren ist anders. Doch darin besteht ja gerade der Charme alter Autos. Über die Konzeption mit Halb-Starrachse hinten und McPherson-Lösung vorn kann man heute schmunzeln - seinerzeit war diese Konstruktion vertretbar. Ein bisschen Spiel in der recht stramm gehenden Lenkung ist völlig okay; Trommelbremsen hinten deuten auf Low-Cost hin, bei den feinen Marken waren Scheiben rundherum längst Usus.

Ein bisschen Luxus gab es allerdings schon. Zumindest gegen Aufpreis waren (aus heutiger Sicht Banalitäten) wie elektrische Fensterheber und Klimaanlage lieferbar. Letztere gehörte bei den Brot- und Butterklassen der Achtziger zu den exotischsten und teuersten Extras. Deutlich über zweieinhalbtausend Mark mehr mussten damalige Coupé-Eigner ausgeben, um sommers nicht im Auto zu schwitzen. Auch Komfort-Optionen wie Sitzheizung und Tempomat waren gegen rund 1.200 Mark zu haben. In puncto Optik indes sollte für den Zweitürer nur das Beste gut genug sein: Leichtmetallräder gehörten immer dazu.

Allerdings mussten die Sportskanonen von einst mit schmalbrüstigen 14-Zöllern auskommen. Bestenfalls montierten die Techniker 195/60er - aus heutiger Sicht Asphalt-Trennscheiben. Kein Wunder, dass die Pneus schon durch frühes Heulen ankündigen, ab welcher Geschwindigkeit man sich in den Kurven besser zurücknehmen sollte, wenngleich der harmlose Untersteuerer auch für Laien noch halbwegs beherrschbar war und ist. Sicherheitsbewusste Neukunden mit strapazierbarem Budget konnten je nach Baujahr sogar ABS ordern für die Kleinigkeit von fast 3.000 Mark.

Von solchen Annehmlichkeiten darf der Besitzer unseres Probeexemplars nur träumen. Ein nacktes Vorfacelift-Modell hat aber auch seinen Charme. Doch halt - Drehzahlmesser und Eco-Meter sind bei den besser motorisierten Versionen immerhin vorhanden, denn Benzin war in der von der Ölkrise gezeichneten, ersten Hälfte der 1980er-Jahre teuer. Dünne Türbeläge sowie die schlicht gehaltenen -Öffner versprühen noch heute diesen Geist der V.A.G-Ära - zwar kennt man nicht die genaue Bedeutung der Buchstaben, aber das blaue, etwas trist aussehende Logo dafür um so besser. Es sollte eben irgendwie die Zusammengehörigkeit der beiden Marken bekunden.

Und so ein bisschen Volkswagen blitzt ja auch durch beim einfach gehaltenen Audi Coupé, das ebenso auf der B-Plattform aufbaut wie der Passat. Und obwohl bodenständig und vielleicht sogar an sich ein bisschen langweilig, zählen die selten gewordenen Zweitürer doch zu den interessanteren Teilnehmern etwaiger Oldie-Ausfahrten. Außerdem sind sie für überschaubares Geld zu haben - das gilt selbst für gut erhaltene Exemplare. Die zu finden, benötigt jedoch ein wenig Zeit. Es gibt eben Fahrzeuge, für die es mehr Geduld als Kapital braucht. Auch mal eine willkommene Abwechslung.


Chronik:
1980: Der Audi Coupé auf Basis der 80er-Reihe wird eingeführt
1982: Einführung der 130 PS starken Einspritzer-Variante
1984: Modellpflege (weitgehend optische Retuschen)
1986: Neuer Vierzylinder mit 112 PS
1988: Die Baureihe läuft aus

Audi Coupé GT 5E - Technische Daten:
Coupé der Mittelklasse, Länge: 4,36 Meter, Breite: 1,68 Meter, Höhe: 1,35 Meter, Radstand: 2,54 Meter
2,1-l-Reihenfünfzylinder-Otto, 96 kW/130 PS, maximales Drehmoment: 171 Nm bei 4.800 U/min, Vmax 196 km/h, 0-100 km/h in 9,1 s
Ehemaliger Neupreis (1983):  ab 28.429 DM


Heutiger Marktpreis nach Classic Data:
Audi Coupé GT 5E
Note 2:  6.100 Euro
Note 3:  4.200 Euro
Note 4:  1.200 Euro

Ersatzteilpreise
Radlagersatz, Vorderachse: etwa 18 Euro
Endschalldämpfer: etwa 57 Euro
Querlenker: etwa 73 Euro

(SP-X) (motor-traffic.de)

Bild: Mit einem Coupé startete Audi vor 35 Jahren in die Sportlichkeit. Foto: Audi

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