Fahrbericht: Citroën C4 mit geschrumpften Hubraum - Drei Zylinder für den Vierer

11 Feb - Citroën
Die neu gestalteten Scheinwerfer in Verbindung mit dem LED-Tagfahrlicht lassen den sonst recht konservativ anmutenden C4 eine Spur kecker auf die Straße blicken Foto: Citroen

Die Hackordnung auf dem automobilen Golfplatz gleicht der in der Bundesliga. Stammvater Golf trotz gelegentlicher Schwächen ähnlich souverän wie die Münchner Bayern. Dahinter Opel Astra und Ford Focus in ewiger Lauerstellung. Zum dichten Mittelfeld mit ordentlichem Mittelmaß zählt in den Augen der Kundschaft sicher auch der Citroën C4, so eine Art Hannover 96 auf Rädern. Keine Chance auf die Championsleague, aber auch kein Abstiegskandidat. An diesem Schicksal wird sicher auch die Frischzellen-Kur des Franzosen nichts ändern können.

Rein äußerlich hat sich wenig getan beim Fünftürer mit dem Doppelwinkel. Die neu gestalteten Scheinwerfer in Verbindung mit dem LED-Tagfahrlicht lassen den sonst recht konservativ anmutenden C4 eine Spur kecker auf die Straße blicken. Auch die ebenfalls veränderten Heckleuchten zeugen dank ihrer 3-D-Anmutung von einem zeitgemäßen Auftritt. Dazu neue Sitze, neue Farben, neues Navi, neue Alu-Räder. Kleinigkeiten allesamt, die aber in Summe gelungen sind. Dennoch bleibt der C4 ein unauffälliger Geselle, nach dem man sich vom Bürgersteig aus nicht umdreht, der keine Design-Preise abräumen wird und in der Nachbarschaft nicht für neidisches Getuschel sorgt. Kein Außenseiter also wie frühere Citroën-Modelle. Diese Rolle ist inzwischen den DS-Modellen zugeteilt, die durchweg frecher und mutiger geformt sind. Auch vom C4 gibt es so ein Derivat.

Das Update des kompakten Elsässers (er wird bei Mülhausen gebaut) dient vor allem der Vielfalt im Motorraum. Alle angebotenen Triebwerke erfüllen jetzt die ab 1. September geltende EU-6-Abgasnorm und wurden im Schnitt rund 25 Prozent sparsamer als bisher. Das gilt auch für die beiden neuen kleinen Motoren, mit denen sich der  Golf-Rivale jetzt aus dem Regal des Mutterkonzerns Peugeot bedienen darf. Die ab 23.540 Euro erhältliche Version mit 1,6-Liter-Turbodiesel bietet trotz geschrumpftem Kolbenspielraum erfreuliche Durchzugskraft und zählt mit seinem Normverbrauch von 3,8 Litern auf 100 Kilometer zu den genügsamen Fortbewegungsmitteln. Noch interessanter vielleicht der Dreizylinder-Turbobenziner, der mit nur 1,2 Litern Hubraum und 96 kW/130 PS zu den modernsten seiner Art  gehört.

Beim Druck auf den Startknopf in der Mittelkonsole meldet sich das kleine Herz sanft und unauffällig. Kein Schnattern wie bei manch anderen Dreizylindern. Einer Ausgleichswelle sei Dank. Der Turbo setzt früh ein, will somit den Nachteil des kleinen Hubraums wettmachen. Der Kraftspender gehört zu den schnellsten seiner Spezies, 240.000 Umdrehungen pro Minute schafft das Schaufelrad.

Es geht durch den bergigen Teil der Provence, in dem die Sonne versucht, die Überreste der letzten Schneefälle wegzuschmelzen. Die hartnäckigen eisigen Relikte in schattigen Kurven können dem C4 nichts anhaben. Das ESP ist fein abgestimmt, hält den munteren Franzosen in der Spur. Vorbei allerdings die Zeit, in denen Citroën-Modelle betont weiche Komfort-Schaukeln waren. Das Fahrwerk ist angenehm straff, stemmt sich beim Rumkurven der Fliehkraft entgegen, verschont allerdings die Bandscheiben der Insassen nicht immer vor Bodenwellen oder Buckeln im Asphalt. Nicht schlimm, aber spürbar.

Aber es geht ja um den Motor. Die ordentliche Kraft bei niedrigen Drehzahlen erlaubt frühes, also spritsparendes Hochschalten. Umgekehrt kann man sich das übliche Zurückschalten bei einem Zwischenspurt ersparen. Das Fahrgefühl lässt keinen Rückschluss auf die neue Bescheidenheit in Sachen Hubraum zu. Den Unterschied zu den bisherigen Vierzylindern mit größerem Zylinderinhalt sollen künftige C4-Nutzer nur an der Tankstelle spüren. Im Datenblatt stehen 4,7 Liter auf 100 Kilometer, auf dem Prüfstand im Testlabor errechnet. Am Ende meldet der Bordcomputer 7,5 Liter, kein Wunder beim ständigen Auf und Ab des Testterrains. Citroën-Motorenentwickler Denise Fourchon räumt denn auch ein, dass die gesetzlichen Vorgaben zur Ermittlung des Verbrauchs in der Praxis immer wieder zu für den Kunden kaum nachvollziehbaren Differenzen zwischen Norm und Wirklichkeit führen. "Die Vorschriften sollten bald an die Realität angepasst werden", wünscht sich der Ingenieur.

Unterm Strich ist der Golf á la France jetzt auch unter der Motorhaube auf der Höhe der Zeit, gehört nach eben jener Norm sogar zu den Kostverächtern. Kaufen kann man ihn ab 21.490 Euro. Der vergleichbare VW Golf TSI mit dem gleichgroßen Vierzylinder-Benziner (92 kW/122 PS) ist um fast 1.000 Euro teurer und zudem erheblich magerer ausgestattet. Dagegen ist der hochgelobte Ford Focus Ecoboost mit dem winzigen Dreizylinder-Einliter-Motor (92kW/125 PS) schon ab 20.560 Euro zu haben, muss dann aber in der Aufpreisliste für viel Geld auf C4-Niveau gebracht werden.

Citroën C4 Pure Tech 130 - Technische Daten
Fünftürige Schräghecklimousine mit fünf Sitzen, Länge: 4,33 Meter, Breite: 1,80 Meter, Höhe: 1,50 Meter. Radstand: 2,61 Meter, Ladevolumen: 408-1.183 Liter
Dreizylinder-Benzinmotor mit Turbo, 1.199 ccm, 96 kW/130 PS, 230 Nm bei 1.750 1/min. Sechsgang-Schaltgetriebe (Automatik gegen 1.500 Euro Aufpreis), Frontantrieb
Vmax: 199 km/h (begrenzt), 0-100 km/h in 5,0 s, Verbrauch kombiniert nach Norm: 11,7 l/100 km, CO2-Ausstoß: 107 g/km, Leergewicht: 1.205 kg.
Grundpreis: 21.490 Euro

Citroën C4 Pure Tech 130 - Kurzcharakteristik:
Alternative zu: VW Golf und all den anderen
Sieht gut aus: Eher konservativ und gediegen. Die kleinen Retuschen fallen nicht wirklich auf
Wann kommt er: schon bestellbar
Passt zu: Frankophilen Mitgliedern der "Generation Golf"
Was kommt noch: Mit der Limousine, dem C4 Cactus und dem C4 Picasso ist die Familie gut aufgestellt (SP-X) (motor-traffic.de)

Bild: Die neu gestalteten Scheinwerfer in Verbindung mit dem LED-Tagfahrlicht lassen den sonst recht konservativ anmutenden C4 eine Spur kecker auf die Straße blicken Foto: Citroen

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