Fahrbericht: Audi TT Roadster - Ein bisschen Spaß muss sein

3 Feb - Audi TT Roadster
Audi bietet den TT auch wieder als Roadster an Foto: Audi

Er ist eine Ikone wie die unverwechselbare Flasche von Coca-Cola oder das Mundspülmittel Odol, wie das iPhone oder der Elektrorasierer von Braun: Der knuffige Audi TT mit und ohne Dach parkt längst in der Ruhmeshalle der Designkunst. Das Coupé der dritten Generation kennen wir schon, jetzt legt Audi den ab 35.000 Euro erhältlichen offenen Zweisitzer nach. Er kommt allerdings in einer für Roadster schweren Zeit. Denn weltweit brechen die Verkäufe der Open-Air-Spaßmobile Jahr für Jahr weiter ein. Insofern ist der Neuling mit den vier Ringen Ikone und Fossil zugleich.

Schade eigentlich, dass sich die Käufer von dieser Art von Autos mehr und mehr abwenden, sich scharenweise modische SUV oder Crossover in die Garage stellen. Platzangebot und hohe Sitzposition zählen mehr als Sonne, frische Luft und Wind im Haar. Nur jeder vierte bisher verkaufte Audi TT ist ein Roadster, das wird sich auch beim neuen Modell nicht ändern. Obwohl Audi seine Hausaufgaben mit Bestnoten absolviert hat. So öffnet und schließt sich das Stoffdach zum Beispiel in zehn Sekunden. Um die Frühlingssonne ins Auto zu lassen, reicht ein Ampelstopp. Wer nicht bis zur nächsten Kreuzung warten will, kann den Knopf für das elektrische Sesam-öffne-dich sogar bis Tempo 50 drücken.

Spannt sich das Dach über den Roadster wird die typische kuppelartige Form erkennbar, die den TT berühmt gemacht hat. So geschützt gleiten die Insassen im Zweisitzer mit sehr guter Aerodynamik durch den Fahrtwind (cW 0,30), verschont vor dessen störenden Geräuschen. Alles hochwertig verarbeitet also, so wie man es von der Nobel-Tochter des Wolfsburger Riesenkonzerns nun mal kennt, mit Recht erwartet und auch teuer bezahlt. Die gut gefütterte Textilmütze wiegt übrigens nur noch 39 Kilo und ist Teil einer Fastenkur für das gesamte Modell.

Mallorca im Winterschlaf, die Touri-Massen kommen erst zu Ostern. Viel Platz also, auf den Serpentinen-Pisten zwischen Sóller und Deiá, den offenen TT in seinem Element zu erleben. Wie das Coupé misst der Roadster nur 4,18 Meter. Im Testwagen sorgt der bekannte Zweiliter-Benziner fürs Vorwärtskommen. Als Fronttriebler natürlich, denn der ist mit seinen 169 kW/230 PS das 35.000 Euro teure Einstiegsmodell. Zum Preis hinzu kommt bei unserem Testwagen allerdings die 2.150 Euro teure famose Sechsgang-Automatik. Die vertrauten elektronischen Helfer sorgen dafür, dass beim Kurven-Twist der nochmal 2.250 Euro teurere Allradantrieb nicht wirklich vermisst wird. Der kurze Audi macht auf Strecken wie der berühmten Landstraße MA-20 einfach nur Spaß, vergleichbar mit dem spielerischen Kart-Gefühl, das sonst nur ein BMW Mini bietet.

Beim Hochschalten mit gleichzeitigem Tritt aufs rechte Pedal verführt das Doppelkupplungsgetriebe die Abgasanlage zu einem dumpfen Bellen. Der rasende Sonnenstuhl wird zum Ballermann - und das ganz in der Nähe des echten "Ballermanns". Wer von diesem  akustischen Treiben verschont werden möchte, wählt einfach im Bedienmenü "Comfort" statt "Dynamik". Dann wird auch das kleine Warmluftgebläse hörbar, das aus einer schmalen Öffnung in der Lehne den Nacken des Fahrers vor Steifigkeit zu bewahren hilft. Den netten Gag hat sich Audi beim Konkurrenten Mercedes SLK abgeguckt. Im 12 Grad frischen Balearen-Winter zusammen mit der Sitzheizung ein wohltuendes Extra.

Sieht man vom Audi-eigenen Open-Air-Festival ab, gleicht der Roadster seinem geschlossenen Schwestermodell in nahezu jedem Detail: Fahrverhalten, Sitze, Bedienkonzept und lieferbare Feinheiten wie Matrix-LED-Licht oder diverse Assistenzsysteme. Auch die Motorenpalette ist identisch. Sparsamster Roadster ist der 135 kW/184 PS starke Zweiliter-Diesel, der mit einem Normverbrauch von 4,3 Litern auskommt. Die Speerspitze bildet der Super-TT mit dem Zusatz "S", der 228 kW/310 PS an alle vier Räder schickt und mit 54.450 Euro auch einen Super-Preis aufruft.

Vom 2+2-Sitzer übernommen hat Audi das virtuelle Cockpit, das sich direkt hinter dem Lenkrad breitmacht und alle wichtigen Infos bietet. Am beeindrucktesten ist dabei die Navigationskarte, die den bislang üblichen Blick in die Mitte des Armaturenbretts erspart. Sie leuchtet übrigens im Roadster doppelt so hell wie im Coupé, damit sie nicht vom Sonnenlicht verschluckt werden kann. Durchaus hilfreich ist auch das Gurtmikrophon für die Freisprechanlage, das es so auch im offenen Supersportwagen R8 gibt.

Unterm Strich ist der neue Roadster eine für Fans geniale Ergänzung zum geschlossenen TT. Auch wenn er nur zwei Sitze hat, mit 280 Litern nur einen kleinen Gepäckraum bietet und naturgemäß mehr Spielzeug als Nutzfahrzeug ist. Dieser Unterhaltungsfaktor ist gleichzeitig seine Bürde. Denn nur Singles oder Zweitwagen-Nutzer werden sich wirklich mit der doch recht teuren Investition anfreunden können. Ikone oder Fossil - sei´s drum. Schon der häufig auf Mallorca anzutreffende Barde Roberto Blanco fasste das TT-Fazit trefflich und prophetisch in fünf Worten zusammen: "Ein bisschen Spaß muss sein".

Audi TT Roadster 2,0 TFSI - Technische Daten
Zweitüriger Roadster, Länge: 4,18 Meter, Breite: 1,83 Meter, Höhe: 1,36 Meter, Kofferraumvolumen: 280 Liter
Vierzylinder-Benziner, 1.984 ccm, 169 kW/230 PS, maximales Drehmoment: 370 Nm bei 1.600 - 4.300 U/min, Vmax: 250 km/h, 0-100 km/h in 6,1 sec., Sechsgang-Doppelkupplungsautomatik: Normverbrauch: 6,5 l/100 km, CO2-Ausstoß: 151 g/km, EU 6.
Preis ab: 37.150 Euro (184-PS-Diesel ab 35.900 Euro, TTS mit 310 PS ab 52,300 Euro)

Audi TT Roadster  - Kurzcharakteristik:
Alternative zu: Mercedes SLK, Porsche Boxster
Sieht gut aus: Eine Ikone eben, erkennbar auf den ersten Blick als "der TT eben"
Wann kommt er: Rechtzeitig zum Frühling
Passt zu: Singles ohne Platzbedarf, Porsche-Ersatz für Mittelständler
Was kommt noch: Die TT-Reihe wird mit einem hochbeinigerem SUV ausgebaut (SP-X) (motor-traffic.de)

Bild: Audi bietet den TT auch wieder als Roadster an Foto: Audi

Bitte warten...